Die Illusion von Multitasking

Die Illusion von Multitasking

Auf Fokus setzen

Der permanenten Präsenz der Technik ist es zu verdanken, dass wir in unserem Alltag immer öfter in Versuchung geraten, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen. Ein Telefonat im Auto, Arbeiten im ICE und digitale Meetings – zweifelsohne erleichtern diese Möglichkeiten unseren (Arbeits-)Alltag, gerade wenn viele Aufgaben auf der Agenda stehen und man so die Zeit zwischendurch hervorragend nutzen kann. Während im digitalen Meeting eine kurze Pause einberufen wurde, kann ich ja schnell meine E-Mails checken und auf den ein oder anderen Punkt antworten … Ja, Effizienz ist definitiv eine gute Sache. Aber an vielen Stellen drohen wir uns selbst etwas vorzumachen, wenn wir zwei oder sogar noch mehr Dinge gleichzeitig tun.

Multi task – viele Aufgaben

Der Begriff entstammt der Programmierung, wo Computerprogramme zwischen verschiedenen Aufgaben so schnell hin- und hergesprungen sind, dass es aussah, als würden sie alles gleichzeitig machen. Aber es sah eben nur so aus. Die einzelnen Bearbeitungsschritte waren klar unterteilt und abgeschlossen, bevor sich jeweils einem neuen gewidmet wurde. Somit ist der Begriff schon in seinem Ursprung fehlgedeutet.

Das menschliche Gehirn liebt Singletasking

Sagen wir es ganz klar: Menschen können keine (anspruchsvollen) Aufgaben gleichzeitig erledigen. Und um es spätestens einmal an dieser Stelle anzubringen: Ja, das gilt auch für Frauen. Tatsächlich ist Multitasking möglich, wenn Tätigkeiten automatisiert stattfinden. Auf der immer gleichen Joggingstrecke einen Podcast hören? Kein Problem. Eine telefonische Terminzusage geben, während das Navi eine neue Route berechnet und Sie sich entscheiden müssen, wo Sie abbiegen? Wahrscheinlich schwierig.

Was wir oft unterschätzen, ist, wobei es sich tatsächlich um anspruchsvolle Aufgaben handelt. E-Mails checken, einen Anruf machen, schnell einmal die Rückmeldungen der Kollegin prüfen – alles Aufgaben, die wir tagtäglich tun. Aber alle diese Aufgaben, und seien sie noch so klein, fordern Entscheidungen von uns, was es schlicht unmöglich macht, sie gleichzeitig zu bearbeiten. Lernprozesse können ebenfalls nur bei voller Konzentration nachhaltig sein.

Das liegt an einer Filterfunktion in unserem Gehirn. Dort werden pro Sekunde etwa 300 Impulse von jeder der 2-3 Millionen Nervenfasern unseres Körpers verarbeitet. Schenken wir diesen Impulsen keine Aufmerksamkeit, werden die Informationen direkt wieder aus dem Ultrakurzzeitgedächtnis gelöscht. Erregen sie aber unsere Aufmerksamkeit, werden sie im Arbeitsgedächtnis verarbeitet. Dort werden sie mit anderen Informationen verknüpft, um einzuordnen, welche Handlung als Nächstes folgen soll. Dieses Arbeitsgedächtnis hat eine begrenzte Kapazität. Um eine Entscheidung zu fällen, blenden wir andere Reize aus. Widmen wir uns zwei Aufgaben gleichzeitig, konkurrieren diese also um unsere Aufmerksamkeit und unser Gehirn muss konstant entscheiden, welcher Reiz ausgeblendet werden soll. So sind Fehler vorprogrammiert.

Tipps für einen Multitasking-freien Alltag

Bei physischer Anwesenheit ist es selbstverständlich: Wir können nur an einem Ort sein. Auch digital sollten wir es vermeiden, uns an verschiedenen Bereichen gleichzeitig zu versuchen. Schalten Sie zum Beispiel Ihr E-Mail-Programm aus, wenn Sie ein längeres online Meeting haben. Dasselbe gilt für das E-Mail-Programm auf Handys oder der Smartwatch. Und um visuelle Ablenkung zu vermeiden, sollten Sie bei Telefonaten nicht auf den Bildschirm blicken. Schließlich ist Konzentration auf das Gegenüber nicht nur wichtig für das Ergebnis, sondern auch ein Zeichen von Respekt.

Aus der Arbeits- und Organisationspsychologie weiß man: Jede Unterbrechung einer Aufgabe, auch wenn es nur ein paar Sekunden sind, kostet danach Zeit, um wieder zurück zu finden. Auf den Tag gesehen spart es also Zeit, eine Aufgabe Schritt für Schritt zu Ende zu bringen und sich erst danach einer neuen zu widmen, statt zwei Dinge gleichzeitig aber nicht richtig zu machen. Und auch das Gefühl, gestresst zu sein lässt sich so vielleicht ein wenig reduzieren.

03.05.2023

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